Raumbezogene Tanz- und Musikperformance
Künstlerische Leitung: Britta Lieberknecht
Kontrabass: John Edwards
Posaune: Paul Hubweber
Tanz: Neus Barcons Roca, Christiane Budden, Britta Lieberknecht, Maria Mercedes Flores Mujica
Sa 01. August 2026, 16:00 PREMIERE
Zanders – Areal
An der Gohrsmühle 25
51465 Bergisch Gladbach
Eröffnung des Kultursommers Bergisch Gladbach
Mit ihrem Sextett zeigt Britta Lieberknecht im Kalandersaal auf dem Zanders – Areal (ehemalig Papierfabrik Zanders) in Bergisch Gladbach eine Tanz – und Musikperformance, die aus der Architektur und ihrer Atmosphäre schöpft.
In der eigens für die denkmalgeschützte Lagerhalle entwickelten Performance spielen Klänge mit fast viersekündigem Nachhall eine tragende Rolle. In der besonderen Akustik mit fast viersekündigem Nachhall übertragen sich feinste Geräusche über weite Distanz. Die beiden Musiker, Meister ihrer Instrumente, bespielen den Raum gemeinsam mit vier ausdrucksstarken Tänzerinnen, die auch ihre Stimmen, Bewegungsgeräusche und Bodypercussion einsetzen. Im altindustriellen Ambiente des ca. 55 m langen Saales und der angrenzenden Durchfahrhalle schaffen sie klanglich und visuell ein einzigartiges Erlebnis.
Treffpunkt 16 Uhr vor der Pförtnerloge
Abhängig vom Wetter kann es im Saal kühl sein, die aktuelle Temperatur zur Performance veröffentlichen wir hier.
Pressezitat
Kölner Stadtanzeiger Rhein-Berg (Christoph Konkulewski)
„Einzigartiges Zusammenspiel von Tanz und Klang bei der Eröffnung des Kultursommers auf Zanders.
…Vier Tänzerinnen und zwei Musiker ließen Architektur zu Kunst werden. Sie nutzten Bewegung, Stimmen und Instrumente, um den 55 Meter langen Raum klanglich auszuloten. Ein intensives Zusammenspiel von Raum, Ton und Tanz…Moderne Kunst in höchster Qualität.“
Ganze Kritik
MITTWOCH, 5. AUGUST 2026
Kölner Stadtanzeiger Rhein-Berg
Von Christof Konkulewski
Industriehalle wird zur Bühne
Einzigartiges Zusammenspiel von Tanz und Klang bei der Eröffnung des Kultursommers auf Zanders
Bergisch Gladbach.Wo begrüßt man normalerweise seine Gäste? Im Hausflur. Der Hausflur der Gastgeber,„Dancers & Musicians“, geriet etwas größer. Es war die Durchfahrhalle zum denkmalgeschützten Kalandersaal auf dem Zanders-Gelände.
Hier standen und saßen die vielen Besucher und wurden begrüßt: von den leisen Tönen der Posaune, den tiefen, oft verfremdeten Klängen des Basses – und schließlich von den vier Tänzerinnen, die sich mit großen Armbewegungen im frei gebliebenen Mittelgang bewegten. Dann ging es in den großen Saal.
Ein Sextett, eine denkmalgeschützte Industriehalle und vier Sekunden Nachhall: Choreografin Britta Lieberknecht eröffnete am Samstag den Kultursommer Bergisch Gladbach im Kalandersaal der ehemaligen Papierfabrik Zanders. Vier Tänzerinnen und zwei Musiker ließen Architektur zu Kunst werden. Sie nutzten Bewegung, Stimmen und Instrumente, um den 55 Meter langen Raum klanglich auszuloten. Ein intensives Zusammenspiel von Raum, Ton und Tanz – im Herzen der Stadt.
Im klassischen Ballett nennt man die Führung der Arme– die tänzerische Begrüßung am Samstag – „Port de bras“. Dort trainiert man sie zusammen mit Neigungen des Oberkörpers. Doch Industriehalle und klassischer Spitzentanz passen nicht zusammen. Tänzerinnen und Musiker, gekleidet in Neonfarben, die man mit Arbeitskleidung verbindet, bedienten sich eines tänzerischen Vokabulars, das an Modern Dance erinnerte. Die beiden Musiker, die Instrumente aus dem Bassbereichspielten, pflegtendieMusik des Free Jazz. Eine Musikform, die auch in Köln, im Stadtgarten oder im LOFT, selten geworden ist.
Bereits vor der Halle hatte Brigitta Opiela (CDU), die stellvertretende Bürgermeisterin, das große, vor der Durchfahrhalle wartende Publikum begrüßt: „Ich wünsche Ihnen eine ganz persönliche Entdeckungsreise, lebendig und mit Herzblut inmitten unserer Stadt!“
Organisiert hatte das Team des Kulturbüros, fest verbunden mit dem Namen Petra Weymans. Sie organisiert den Kultursommer mit über dreißig Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Stadt. Kein Getöse, maximale Klasse: Im Hintergrund zieht Weymans die Fäden für eine Fusionsreihe aus Musik, Tanz und Kunst, die schlichtweg perfekt sitzt.
Diese freie Form von Tanz und Musik ist nicht nur für die Ausführenden äußerst anspruchsvoll. Auch das Publikum ist gefordert. In der Musik gibt es keinen durchgängigen Groove, keine Melodie, keine sich wiederholenden Formteile. Die Töne der Instrumente sind oft verfremdet, die Musiker nutzen ihre Stimmen. Ebenso im Tanz. Keine klassische Sprache, wie sie dem Ballett zu eigen ist. Die Tänzerinnen, Neus Barcons Roca, Christiane Budden, Britta Lieberknecht und Maria Mercedes Flores Mujica erschließen den Raum. Sie halten sich an Gummibändernfest,die oben an den tragenden Stahlsäulen der Halle befestigt sind. Sie ziehen sie straff, entspannen sie, lassen sie mit einem lauthörbaren „Wusch“ los oder schlagen sie klappernd zusammen. So wird der Raum mit seiner Struktur, den Säulen, den stillgelegten Bedienfeldern, der stehengebliebenen Uhr, den Warnschildern, der Waage im Hintergrund zum Anker für die Tanzenden, die Musiker und das Publikum. Man erfasst die Weite. Wenn zum Schluss die Tänzerinnen von ganz hinten zur Musik sich langsam nach vorne zucken. Oder wenn sie ganz links hinten auf vier Stühlen sitzen, mit dem Gesicht zur Wand, und ihre Stimmen ein Teil des akustischen Geschehens werden. Paul Hubweber, Posaune, und John Edwards am Kontrabass stehen auf der anderen, der Fensterseite, und kommentieren, was, von der Wand reflektiert, bei ihnen ankommt. Alle sechs sind auf ihre Art hochvirtuos. Ein Teil der Faszination an diesem Nachmittag.
Dann die Choreografie: Leicht flitschen die Finger der Tänzerinnen an die Stahlsäulen, man hört dieses extrem leise Ping deutlich. Danach eine Panikattacke: Eine Tänzerin tritt immer wieder vor eine rote Tür, die anderen schreien, die Musiker übernehmen. Extreme Lautstärke. Das Ensemble legt immer wieder weite Wege zurück, meist in schnellen Bewegungen, ihre Gesten verzahnen sich mit den Musikern. Der gesamte Raum wird Teil der Aktion. Moderne Kunst in höchster Qualität.




